Cache me if you can

Es gibt da so ein Hobby. Man nimmt sich ein Handy oder ein Gerät, das diesem mitunter recht ähnlich sehen kann, zieht in die weite Welt hinaus und sucht ein Döschen. Dabei kann man durch Wald und Wiesen streifen oder auch mitten in der Stadt umherlaufen – Dosen gibt es zuhauf. Nebenbei lernt man eventuell etwas über bisher unbekannte Brückenbauer oder zählt Säulen an Gebäuden, um an Koordinaten herumzurechnen. Oder man hält sich während der Suche auch ohne Gesprächspartner sein Handy ans Ohr, weil jemand Uneingeweihtes (ein Muggel!) schräg guckt, da man ständig aufs Display schaut und sich suchend umsieht. Und dann? Findet man irgendwann die Dose, versteckt hinter Steinen, unter Steinen oder in Steinen, holt einen meist recht dicht beschriebenen Papierstreifen heraus, trägt einen Namen, Datum und Uhrzeit ein, legt alles wieder zurück und freut sich. DfdC! – Danke für den Cache!

Wenn man dieses Hobby kennt, eventuell selbst ausübt und dann ein Buch zur Hand nimmt, bei dem die Kapitel mit Koordinaten überschrieben sind, mag man es direkt ahnen: „Fünf“ ist ein Geocaching-Thriller. Auf einer Wiese in der Nähe von Salzburg wird die Leiche einer Frau gefunden. Die heraneilende Ermittlerin Beatrice Kaspary entdeckt Koordinaten, die auf der Fußsohle des Opfers eintätowiert wurden. Zusammen mit ihrem Kollegen fährt sie zum angegebenen Ort und findet, ohne dass sie auch nur die geringste Ahnung hat, wonach die Ausschau halten muss, nach einer Weile eine Frischhaltedose mit bizarrem Inhalt: In der Box befinden sich eine eingeschweißte Hand und zwei Schreiben. Im ersten Schreiben wird dazu gratuliert, dass man fündig geworden ist. Das zweite Schreiben jedoch enthält eine Rätselaufgabe – für “Stage 2”. Muggel Beatrice ist perplex. Bevor sie lange zu grübeln hat, wird Beatrice von einem weiteren Kollegen darüber aufgeklärt, was Geocaching ist. Der Täter, der die Dose mitsamt Hand versteckt hat und der mutmaßliche Mörder der aufgefundenen Frau ist, scheint das Geocachen für seine eigenen Zwecke zu pervertieren. Also machen sich Beatrice und ihre Kollegen auf die Suche nach der nächsten Stage.

Zugegebenermaßen kommt die Rätselei um Stage 2 nur sehr stockend in Gang. Die Autorin hat sich viel Zeit gelassen um die Hauptfigur Beatrice zu porträtieren und um langsam in das Thema Geocaching einzuführen – für den Leser wird das teilweise zur Geduldsprobe. Auch im weiteren Verlauf hat man oft das Gefühl, dass entscheidende Punkte künstlich hinausgezögert werden. Die Suche der Polizeibeamten nach den Lösungen der einzelnen Stages ist eher ermüdend, und dass in jeder erdenklichen Situation zum gefühlt tausendsten Mal Beatrices Essgewohnheiten, vorhandener oder fehlender Hunger thematisiert werden, rettet den Spannungsbogen nicht im geringsten.

Der thrill dieses Thrillers fehlt zunächst – aber er stellt sich ein. Später. Es dauert eine ganze Weile, aber wenn nach und nach alle Fäden zusammenlaufen, wird der ausdauernde Leser mit einer zum Schluss recht spannenden, solide konstruierten Geschichte belohnt. Für alle, die mit Geocaching zuvor nicht vertraut waren, ist es eine etwas andere Einführung in ein potenzielles neues Hobby, bei dem glücklicherweise nur Dosen mit harmlosem Inhalt zu suchen sind. Die Thematik wird einigermaßen gut ausgeschöpft, man muss nur am Ball bleiben. Aber einen Cache findet man ja auch nicht immer direkt. Manchmal muss man erst diverse Steine dafür umdrehen.

♠ Ursula Poznanski: Fünf. Wunderlich 2012, 384 Seiten, broschiert, 14,95 Euro. ISBN: 978-3805250313. ♠

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